Da wir zum Gemeindefest (10.07.2022) unseren Gottesdienst am Inselsee nicht aufgezeichnet haben, könnt Ihr hier die Predigt von Markus nachlesen. Sie ist übrigens der Auftakt zu einer dreiteiligen Predigtreihe über den menschlichen Körper mit dem Titel:

Welche „Geschichte“ erzählst du über deinen Körper? Welche Narrative hören wir in unserer Kultur über unseren Leib? Seit längerem inspiriert mich die Frage nach dem Körper und() dessen Bedeutung für unseren Glauben.
Wir leben in einer Kultur, welche eine klare Unterscheidung zwischen dem “Inneren Selbst” — (oder bibl. Seele) — und dem “materiellen Selbst” — dem Körper — macht.
Bin ich meine Seele und habe einen Körper? Oder bin ich mein Körper und habe eine Seele? Viele Menschen unserer Zeit erzählen dazu ihre Story – oft leidgeplagt.
Am Sonntag taufen wir „ganze Menschen“ – Mit Geist, Seele und … Körper! In Christus!
Da bietet es sich doch mal an über unseren Körper nachzudenken! Was ist die „Better story“ für uns und unsere Freunde?

The better story – Der GESCHENKTE Körper

Nachfolgend lest ihr das Predigtskript von Markus.

Wir feiern Gemeindefest – draußen – mit allen Sinnen! Wir hören Geschichten von Menschen, die Jesus gerettet hat und erleben, wie sie sich auf diesen Namen taufen lassen! Das sind sehr intensive ganzheitliche Erfahrungen! – Nicht nur theoretisch im Kopf.

Bei der Taufe geht ja nicht nur unsere Seele baden! Wir taufen Menschen, mit Geist, Seele und Leib!

Der Verstand hat sich mit dem Glauben auseinandergesetzt! Ihr habt verstanden, dass jeder Mensch ein Sünder ist und das Jesus für uns gestorben ist. – Wir taufen keine Babys – die das Kreuz noch nicht verstehen! Wäre nur der Körper! – Wir taufen ganzheitlich! – Du brauchst Ohren um das Evangelium zu hören! – Und dann hat dein Herz das angenommen – Ja gesagt dazu! Wenn das in dein Herz kommt du Jesus dein Herz öffnen möchtest, brauchst du einen Mund, der „Ja“ sagt: Ich will! Und bei der Taufe brauchst du Füße die dich ins Wasser bringen – dein ganzer Mensch wird getauft – nicht nur deine Seele! Ganzheitlich!

Ich greife heute mal den Körper raus und werde das Thema Körper und Glaube in weiteren Predigten vertiefen! – Meine Frage zum Start ist: Welche Story erzählst du dir so über deinen Körper? Welche Narrative hören wir in unserer Kultur über unseren Leib? Seit einiger Zeit inspiriert mich diese Frage nach dem Körper und seiner Bedeutung für unseren Glauben! Ich will euch mitnehmen auf eine Reise mit wunderschönen Entdeckungen! – Und ich hoffe dass wir in der Taufe neu realisieren:

Wow, was für ein Geschenk hab ich von Gott auch in meinem Körper bekommen! Er hat die bessere Story für mich! Mein Thema lautet: Der Geschenkte Körper! – Deshalb diese Verpackung –
Wenn wir über unseren Körper sprechen, dann gehe ich davon aus, dass dieser Körper schon einmal tiefe Wunden und Schmerzen ausgelöst hat! Jeder weiß, wie sich Schmerzen anfühlen!
Ohrenschmerzen, Zahnschmerzen, oder? – Wenn es um den Körper geht, dann hat das in jedem Leben schon mal Wunden gegeben, oder?

Wir leben in Deutschland in einer nachchristlichen Zeit. Das heißt: Das christliche Weltbild ist nicht die allgemein erlebte „beste story“. Es werden uns bereits im Kindergarten und
Schule, den Medien etc. ganz viele Geschichten erzählt, über unsere Welt. Auch über unseren Körper! Geschichten, die oft zu Glaubenssätzen geformt werden. Die man als gute Geschichte erklärt! Und die voll Ideologie steckt! – Und es gilt diese wahrzunehmen, zu hinterfragen, und dann zu schauen – Was ist eigentlich wirklich die „better story“ für mich?

Hier mal ein paar Geschichten, Storys unserer Gesellschaft über den Körper:

Wer von euch kennt Raymond Kurzweil – darf ich mal sehen, ob den irgend jemand kennt? Raymond ist Google Ingenieur und Zukunftsforscher. Er ist sehr erfolgreich und arbeitet an dieser Schnittstelle von künstlicher Intelligenz und dem körperlichen Menschen. Wie man das miteinander verbinden kann. Und Kurzweil erzählt eine Story über den menschlichen Körper. Er glaubt nämlich, dass wir bald in der Lage sein werden, das ‘innere Ich’ unseres Körpers in einen Computer zu übertragen. – Er sagt über den Körper:

Unsere Körper sind… „…wegwerfbare Fluchtkapseln, sobald sie ihre Aufgabe erfüllt haben, uns lange genug am Leben zu erhalten, um elektronische Unsterblichkeit zu erreichen.

(Nicholas Agar, Humanity’s End, Seite 105)

Kurzweil sieht den Körper also als ein Hindernis für das eigentliche ewige (elektronische) Leben, das wir haben sollten. Wir brauchen ihn nur solange bis wir elektronische Unsterblichkeit haben. Dann können wir ihn wegschmeißen! – Das ist seine Geschichte, die er über den Körper erzählt! – Und wenn wir hinschauen merken wir: In dieser Story gibt es eine klare Unterscheidung zwischen dem “Inneren Selbst” — (oder bibl. Seele) — und dem “materiellen Selbst” — dem Körper. Eine Trennung! – Der Körper ist schlecht – vergänglich Das ist nichts neues! Kommt nur neu daher!

Und ich frage nochmal: Welche Story erzählst du über deinen Körper? Wenn ihr euch heute taufen lasst – Lasst ihr euer inneres Selbst taufen – die Seele – die den Retter gefunden hat – so großartig! Wird euer Verstand getauft – das ihr ihm folgen wollt? So großartig! – Und der Körper? Ist er nur Materie, die nötig ist, um die Seele ins Wasser zu bringen? Oder ist er Teil der guten Story – des Evangeliums?

Unsere Kultur hat ja noch andere Narrative über den Körper. Einige vergöttern ihren Körper und sagen: Mein Körper ist so ziemlich das allerwichtigste was es gibt. Er definiert mich als Person. Deshalb muss ich immer gut aussehen, Fitness und Diäten mache, modische Kleidung tragen. Und wir sehen auch tatsächlich gut aus! Bei ein paar Details – nun ja – dafür gibt es ja die Schönheitschirurgie. Ihr merkt – diese Zeitgenossen erzählen eine
andere Story über den Körper. – Bei denen ist Körper alles. Seele wenig! Man entwickelt den Körper, aber die Seele bleibt unterentwickelt. Auch da ist eine Trennung zwischen Körper und Seele!
Und dann gibt es viele, die Ideale von Körper haben, aber da nicht rankommen. Die an ihrem Körper leiden! Sie denken, ihre Realität entspricht nicht dem, wie sie denken, dass der Körper sein sollte.

Wir leben in einer Gesellschaft die zunehmend mit “Body Shame“ kämpft! Body Shaming bedeutet, jemanden aufgrund seiner körperlichen Erscheinung zu beleidigen oder zu diskriminieren. – Das kann jeden Körper treffen. Es ist ein Irrglaube, dass Body Shaming nur dicke Körper betrifft! Auch dünne, alte oder behinderte Körper werden Opfer von Body Shaming. Nicht wenige von uns kämpfen in der Schule auf das reduziert werden des Körpers – Obwohl wir bei Body Shaming zuerst an Beleidigungen durch andere denken, so ist die häufigste Form von Body Shaming doch die (permanente) Selbst Kritik am eigenen Körper. Den eigenen Körper negativ zu bewerten oder mit anderen Körpern vergleichen: „Ich bin so hässlich.“ „Sie ist viel schöner als ich.“
Das sind oft Glaubenssätze, die tief in unserem Innern verankert sind! Und die nicht ohne Wirkung bleiben! Einige gehen deswegen nicht schwimmen! – Etliche können keinen befriedigenden Sex erleben in der Ehe, weil sie Probleme haben mit ihrem Körper! Body shame!

Welche Story erzählst du dir selber über deinen Körper? Dieses Fleisch und diese Knochen, mit dem du hier bist?

Und natürlich interessiert es mich als Christ, welche Story die Bibel über unseren Körper erzählt! Und ich habe den Eindruck dass wir dort eine ‘better Story’ finden, als anderen Geschichten die uns angeboten werden – egal von wem!

Schauen wir also in die Bibel! Dann merken wir gleich zum Start:

1 | Gott hat ein fundamentales JA zum physischen Körper
Dies wird gleich in den ersten Sätzen der Bibel geklärt. Gott erschafft die materielle Welt und
bezeichnet alles, was er erschaffen hat, mit dem Prädikat ‘gut’. Dazu gehört der Körper der
Menschen, die er ins Leben ruft:

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde… 1. Mose 1,27
Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. 1Mo 1:31)

Die Idee des physischen Körpers findet Gott sogar so super, dass er selbst in Jesus Christus, seinem Sohn, den er auf die Erde schickt, einen menschlichen Körper annimmt:
Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns (Joh 1:14)

Diese Idee, dass Gott Mensch wird, einen Körper annimmt, war zur Zeit von Jesus ein großer Skandal! Es gab damals unterschiedlichste Philosophien und in der Folge auch christliche Sondergruppen, die der Überzeugung waren, dass die materielle Welt schlecht oder böse ist.
Für solche Menschen war es ein Skandal zu glauben, dass Gott sich beschmutzt, indem er in Jesus Christus einen physischen Körper annimmt. Ein Gott der müde wird?! Der auf die Toilette muss?! Der leidet?! Undenkbar! Dumm, häretisch — in ihren Augen. Das war mit ihrem Narrativ, ihrer Geschichte über den Körper nicht denkbar! Viele Religionen haben bis

heute damit ein Problem. Gott ist zu heilig, dass er sich durch Materie verunreinigt. – Gott soll sich mit einem Körper abgeben? Oder mit meinen Wunden?.- Dafür ist er viel zu groß! – Auch manche Christen beten nicht für ihren Körper! Auch wenn sie krank sind!
Das tolle ist: die Meinung dieser Menschen damals – ihre Story über den Körper – hatte keinen Einfluss auf Jesus! Er wird Mensch und findet seinen menschlichen Körper eine derart gute Sache, dass er ihn bei seiner Himmelfahrt mitnimmt. Er hat seinen Körper nicht abgestreift als wäre er ein Hindernis oder eine Last. Der Körper von Jesus wird zwar verändert bei der Auferstehung, aber er bleibt doch erkennbar!

Und diese positive Sicht auf den Körper steht in starkem Kontrast zu anderen Ideologien, die uns zur Flucht in einen anderen Körper oder ganz aus dem Körperlichen heraus animieren.
Wie denkst du über deinen Körper? In all seinen Bezügen! Dein Aussehen, dein Geschlecht, deine Größe! Du selbst eben. Welche Geschichte glaubst du? Steckt deine Seele im richtigen Körper – oder im falschen? Welcher Geschichte schenkst du Glauben?
Jesus – und seine Menschwerdung im Fleisch ist der denkbar stärkste Beweis, dass Gott ein fundamentales JA zum Körper hat. Auch zu deinem! – Und deshalb taufen wir heute ganzheitlich Menschen – wir haben euer Zeugnis gehört, was Gott an eurem inwendigen Menschen getan hat – und wir taufen euch mit eurem ganzen Körper! Sprechen euch Erlösung zu! – Wir glauben, dass der Heilige Geist in eurem Körper Wohnung macht! – Was ein Fest!

Unser Körper ist ein Geschenk Gottes an uns

2 | Die Bibel beschreibt unseren Körper als ein Geschenk Gottes an uns. Er beschenkt uns auf verschiedene Weise. Und ich möchte ein paar dieser Geschenke Gottes aufzählen:

Durch den Körper segnet uns Gott mit Individualität. – David betet in Ps. 139:

O Du bist es, der meinen Körper und meine Seele erschaffen hat, kunstvoll hast
du mich gebildet im Leib meiner Mutter. Ich danke dir dafür, dass ich so
wunderbar erschaffen bin, es erfüllt mich mit Ehrfurcht

(Ps 139:13–14)

Gott erschafft beide Aspekte unser Existenz: die nicht-materielle Seele und den materiellen Körper. David war sich bewusst, dass wir in einer gefallenen Welt leben, die vom Bösen beeinflusst ist, inklusive unserer Körper. Trotzdem weiss David: Gott hat unsere Körper kunstvoll gebildet. Keiner von uns ist ein Massenprodukt, sondern individuell geformt.
Unsere Individualität ist Ausdruck seiner Größe und Schönheit! – Diese Vielfalt und der Reichtum unserer Individualität übersteigt den Rahmen unseres Denkens. Wir fühlen uns eher bedroht – Aber – Gott schafft uns mit Individualität! Es gibt keinen anderen wie mich oder dich, weil Gott jeden von uns persönlich und anders geschaffen hat.

Das bedeutet nicht, dass unser Körper perfekt ist. Wir leiden unter unserem Gefallen sein!
Aber sogar unsere gefallenen Körper sind kunstvoll gestaltet. Vielleicht ist unser Körper nicht so, wie wir ihn haben wollen, aber Gott wusste was er tat, als er dir deinen Körper gab. Klar ist diese Aussage heikel – und sie kann missverstanden werden. Was ist mit Menschen, die an Behinderungen leiden? – Darauf gehe ich im August ein! Heute will ich Mut machen die Spannung auszuhalten: David wusste, dass die Körper von uns Menschen nicht immer perfekt sind und er macht diese Aussage von Ps 139:13–14 trotzdem.

Unser Körper ist nicht ein ‘Klumpen von Molekülen’, keine Kurzweil’sche Fluchtkapsel, sondern ein Geschenk Gottes durch das er uns mit Individualität segnet. Und David bricht der Dank und die Ehrfurcht über die Lippen als er das realisiert. Er dankt Gott für seinen Körper! Und ich möchte immer wieder Mut machen Gott Danke zu sagen für den eigenen Körper! Das wahrzunehmen und den Schöpfer zu ehren! Und zur Erinnerung kann auch eure Taufe dienen! – Ihr geht als ganzer Mensch hinein ins Wasser! – Unser Körper ist nicht perfekt. Er ist nicht immer, wie wir ihn haben wollen. Aber er ist Gottes Geschenk an uns. Wenn wir ihm dafür danken und die Ehre geben, fangen wir an, uns mit unserem Körper zu versöhnen. – Ein zweites Geschenk:

Durch den Körper segnet uns Gott mit Lokalität

Unser Körper gibt uns einen Rand, eine Grenze, eine Verortung. Wir sind nicht an zwei Orten gleichzeitig. Ich bin jetzt hier. Und um an einen anderen Ort zu gehen, muss ich diesen Ort verlassen. Und indem Gott uns einen Körper gibt, segnet er uns mit Lokalität – mit Begrenztheit!

Gott, der Herr, brachte den Menschen in den Garten Eden.

(1. Mose 2:15)

Diese Einsicht tut meiner Seele wohl! – Begrenzt sein – das ist etwas, was unsere Kultur eher ablehnt. Klar – es gibt es Grenzen, die wir durch unsere Erziehung oder Prägung und Persönlichkeit unnötigerweise gelernt haben und die wir ablegen dürfen. Trotzdem scheint es mir, dass unsere Kultur auf allen Ebenen unbegrenzt sein möchte. Wir wollen die Grenzen unseres Seins überwinden, auf Biegen und Brechen! An mehreren Orten gleichzeitig sein.
Was für ein Stress! Doch Gott schenkt uns einen Körper und damit eine Grenze, einen Rand. Wenn wir uns damit versöhnen und das Geschenk annehmen, fliesst viel Segen in unser Leben:

In der Taufe segnet Gott euch in der Lokalität! Hier und jetzt!

Grenzen machen uns heimisch. Sie machen es möglich, dass wir an einem Ort Heimat finden. Heimat haben hat damit zu tun, dass man verwurzelt ist an einem konkreten Ort, in einer spezifischen Kultur, Sprache, sozialen Gemeinschaft. Dies geht nur, wenn man einen Rand hat, eine Grenze. Mit unserem Körper segnet uns Gott mit der Fähigkeit, einheimisch zu werden.

Grenzen schützen uns auch, z.B. vor Überforderung und Burnout. Wir haben im Unterschied zu Gott nicht unlimitiert Energie und Ressourcen. Unser Körper braucht Schlaf.
Unsere Grenzen zu verachten kann dazu führen, dass wir uns selbst überfordern! Weil der Schöpfer uns Grenzen setzt, dürfen wir unsere Grenzen respektiert. Und bleiben geschützt vor Überforderung.
Grenzen machen auch Beziehung möglich. Wären wir diffuse Wesen, würde man nicht wissen, wo man uns findet. Die Tatsache, dass wir einen Rand haben ermöglicht es, dass man mit uns Kontakt aufnehmen kann. Wir haben sozusagen eine Adresse, an der wir ansprechbar sind: Unseren Körper. Durch unserenr Körper macht es uns Gott möglich, Beziehungen zu haben.

Grenzen helfen uns, ganz da zu sein. Als die 3 Freunde von Hiob ihn trösten wollen, kommen sie physisch zu ihm (Hiob 2:11–13). Sie schicken keine Email, trösten ihn nicht via Twitter, sondern sie kommen physisch zu ihm. Damit machen sie klar, dass sie ganz da sein wollen bei Hiob und nicht auch noch anderswo. Eine Grenze haben bedeutet, dass wir mit der Fähigkeit gesegnet sind, ganz da zu sein. Ich bin jetzt ganz hier! Nicht wo anders gleichzeitig!

Grenzen geben uns auch eine Form. Gott schafft uns mit einer Kontur oder Gestalt. Im ersten Kapitel der Bibel wird klar, dass Gott verschiedensten Geschöpfen eine unterschiedliche Art gibt. Wir sind keine Tiere – wir sind Menschen! Und beim Menschen wird ausdrücklich gesagt, dass es zwei Formen der Geschlechtlichkeit gibt:

So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er sie, als Mann und Frau schuf er sie.

(1. Mose 1,27)

Also – durch unseren Körper segnet uns Gott auch mit einer geschlechtlichen Form. Das
führt manchmal auch zu Sorgen und Nöten. Genau wie unser Körper zu Sorgen und Nöten
führt! Aber die Bibel beschreibt unsere geschlechtliche Form als etwas, womit Gott uns
mittels unseres Körpers segnet.


Durch den Körper segnet uns Gott mit Identität

Wir sagen oft “Ich habe einen Körper”. Das klingt, als sei das Verhältnis zwischen Körper und Seele eines von Besitz und Besitzer — mit der Seele als Besitzer des Körpers. Im Film Avatar ist die Idee, dass die ‘Seele’ einfach in einen anderen Körper schlüpfen kann, mitunter sogar von einer völlig anderen Art. Auch wenn es nicht ganz falsch ist zu sagen “ich habe einen Körper”, zeichnet die Story der Bibel ein viel engeres, intimeres Verhältnis zwischen Körper und Seele: Wir haben nicht einen Körper, sondern wir sind ein Körper.

Da formte Gott, der Herr, aus der Erde den Menschen und blies ihm den Atem des Lebens in die Nase. So wurde der Mensch lebendig.

(1. Mose 2,7)


Gott schafft nicht eine Seele und ‘pappt’ dann Fleisch, Knochen und Hautmasse daran, damit die Seele existieren kann. Es geht anders herum. Zuerst formt er unseren physischen Körper und beseelt diesen dann. Wir sind ein beseelter Körper. Wir sind mehr als nur Körper (die Seele ist auch ein Aspekt), – wir sind mehr als nur Seele – ein beseelter Körper.

Wenn meine Kinder ein Glas vom Tisch schlagen und es kaputt geht, sagen sie manchmal “das war nicht ich, das war meine Hand!”. Wir lachen darüber und wissen, dass es nicht einfach die Hand war, die das Malheur verursachte, sondern das Kind. Wenn wir essen, sagen wir nicht “mein Mund isst”, sondern “ich esse”. Wenn wir spazieren, sagen wir nicht “meine Füsse gehen” sondern “ich gehe”. Die Bibel sagt nicht, dass wir einen Körper haben, sondern dass wir ein Körper sind.
Und wenn wir euch jetzt taufen, dann taufen wir euch als ganze Menschen – mit Körper, Seele, und Geist – in die Erlösung hinein, die Christus für euch hat. Weiht euch diesem Gott mit eurem ganzen Menschen.
Die ‚better Story‘ der Bibel über unser Leben inspiriert zum Leben – mit Haut und Haar! Und weil Gott in der Taufe auch JA sagt zu eurem Körper, darum:

Lebt individuell . – Lebe im Bewusstsein, dass du ein Unikat bist. Es gibt keinen wie du, und zwar auch dank deines Körpers. Geniesse diese Tatsache! Deine Augen, deine Hände, deine Ohren, dein Mund, dein Gaben, deine Biografie – schenk sie deinem Schöpfer, dass er dich gebraucht zu seinem Werkzeug in dieser Welt. Er hat Gutes vor! Mit jedem von euch!

Lebt lokal – Seht eure Begrenzung als Segen! Geniesst es, in einer Zeit an einem Ort Heimat zu finden. Finde Heimat auch in deinem Körper. Gehe nicht über deine Grenzen hinaus, damit du nicht in Überforderung endest. Triff andere Menschen physisch, nicht nur online. Schließt euch einer Lokalgemeinde an – und ich weiß da auch schon eine gute! Lebe im Bewusstsein, dass Gott dir eine begrenzte Form gegeben hat die ein Segen ist — auch
deine geschlechtliche Form als Mann oder Frau. Gestalte das!

Lebe integriert – Pflege sowohl deinen Körper wie auch deine Seele, denn das eine hat Auswirkung auf das andere. – Innen – wie außen! Ein lebenslanger Wachstumsprozess, den wir Jüngerschaft nennen! Jesus ähnlicher werden.

Lebe dankend – Gib deinem Körper dasselbe JA, wie Jesus deinem Körper sein JA gibt. Sieh es als Segen an, dass Gott dir einen Körper geschenkt hat, selbst wenn dir dieser auch gewisse Mühe bereitet. Fang’ an wie David, Gott zu danken für deinen Körper. Manchmal ist das schwierig! Wage es trotzdem. Fang’ mit den Körperteilen an, an denen du Freude hast.
Mit der Zeit schaffst du es vielleicht zu danken für Bereiche deines Körpers, die dir Mühe machen, die du ablehnst, die du abweisen oder abschneiden willst. – Vielleicht weil du Schmerzen erlebt hast oder erlebst!
Gott erlöst uns nicht von unserem Körper, sondern er erlöst uns mit unserem ganzem Körper! Als solche taufen wir euch! Was für ein Fest! Amen!

In der nächsten Predigt (07.08.2022) werden wir eine zentrale Botschaft der ‘better Story’ der Bibel kennenlernen: Unser Körper ist derart wertvoll, dass wenn Gott uns erlöst, er uns nicht von unserem Körper erlöst, sondern er erlöst unseren Körper. Titel: „Der Erlöste Körper“.


„Das Christentum ist nahezu die einzige unter den großen Religionen,
die den Körper durch und durch bejaht. Aus christlicher Sicht ist Materie etwas Gutes. Gott
selbst hat einmal einen menschlichen Leib angenommen, und wir werden auch im Himmel
einen irgendwie gearteten Körper bekommen, der dann ein wesentlicher Teil unserer
Seligkeit, unserer Schönheit und unserer Kraft sein wird.

C.S. Lewis, Pardon, ich bin Christ.